Abgrenzung Aphasie, Dysarthrie, Sprachapraxie

Diese Sprach- bzw. Sprechstörungen können isoliert oder in Kombination miteinander auftreten (wie in den meisten Fällen). Sie treten in den meisten Fällen bei geriatrischen Patienten nach Schlaganfällen auf, können aber natürlich auch andere Ursachen haben und bei jüngeren Patienten vorkommen. Wichtig ist dabei, diese drei Störungsbilder voneinander abtrennen zu können und demnach die Therapie auszurichten. Das ist manchmal gar nicht so einfach, da sich einige Symptome sehr stark ähneln.  Zunächst zu einer einfachen Definition der 3 Störungsbilder:

Aphasie

Eine Aphasie ist eine erworbene SPRACH- und Kommunikationsstörung, betrifft also das Sprachsystem. Diese ist zentral bedingt und wirkt sich auf alle sprachlichen Modalitäten aus- sprich Lesen, Schreiben, Sprachproduktion und Sprachverständnis. Je nach Schweregrad und Art der Aphasie sind die Modalitäten unterschiedlich stark eingeschränkt.

Dysarthrie

Im Falle einer Dysarthrie, oder besser Dysarthropneumophonie (da auch Atmung = pneumo und Phonation = phonie betroffen), ist allein die Ausführung der Sprechbewegung gestört. Es handelt sich also auch um eine SPRECHstörung aufgrund einer Störung im motorischen System. Dabei kommt es zu Koordinationsstörungen der Muskulatur, ausgelöst durch zu schwache oder nur vereinzelt ausgesendete Bewegungsreize des Gehirns. Es betrifft also alle motorischen Aktivitäten und nicht nur das Sprechen (unphysiologische Atem-und Stimmgebung, Kauen, Schlucken).

Sprechapraxie

Die Sprechapraxie ist eine erworbene SPRECHstörung, bei der das Programmieren der Sprechbewegungen gestört ist, also nur die phonologisch-phonetische Leistung. Die semantisch-syntaktische Verarbeitung und auch das motorische System sind intakt. 25% aller Aphasiker haben auch eine Sprechapraxie. Bei nur 10% aller Patienten handelt es sich um reine Sprechapraxien.

Unterschiede:

Anhand einer Form des Levelt-Sprachproduktionsmodells lassen sich die Unterschiede gut nachvollziehen (Beispiel: „Blume“):

In blau ist gekennzeichnet, welche Teile des Systems gestört sind, wenn eine Aphasie vorliegt. Dies betrifft Teile des konzeptuell-semantischen Systems, einen Teil des phonetisch-phonologische System und das mentale Lexikon. Im mentalen Lexikon sind Lemma und Lexeme abgespeichert und werden zugeordnet.

  • Bsp. Aphasie mit semantischen Symptomen: Es fällt schwer „Blume“  in das semantische Feld einzuordnen (Lemma) und es wird beispielsweise stattdessen „Baum“ oder „Rose“ gesagt.
  • Bsp: Aphasie mit morphologischen Symptomen: Es würde schwer fallen, die Lexeme, also die Laute aus denen das Wort besteht, zuzuordnen und es käme beispielsweise zu /bluna/ (phonematische Paraphrasie), jedoch ohne artikulatorische Suchbewegungen, da die Sprechmotorik intakt ist.

Bei der orangenen phonetischen Enkodierung liegt das Problem, wenn eine Sprechapraxie vorliegt. Hier findet die sprechmotorische Programmierung statt, indem durch die silbische Route auf das mentale Silbenlexikon zugegriffen wird.

  • Bsp: Beim Wort Blume sind starke Suchbewegungen sichtbar und viele Anläufe, bis das Wort richtig ausgesprochen wird: „Klu…Tu…Blune…Blume“. Bei einem anderen Versuch des Wortes kann es sofort richtig ausgesprochen werden und bei einem weiteren wieder falsch.

Die Fehler sind inkonstant und inkonsistent und es gibt störungsfreie Inseln, also Momente, in denen auf einmal alles einwandfrei ausgesprochen werden kann. Patienten mit einer reinen Sprechapraxie haben ein stark ausgeprägtes Störungsbewusstsein und korrigieren sich deshalb viel selbst und leiden dementsprechend unter dieser Störung.

Bei einer Dysarthrie ist nur die Artikulation betroffen, also die Bewegungsausführung. Artikulatorische Suchbewegungen finden hier nicht statt. Im Unterschied zur Sprechapraxie sind die Symptome konstant, da beispielsweise die Parese konstant die gleichen Probleme bei der Artikulation bereitet. Phonematische Paraphrasien treten hier deshalb nicht auf. Es lassen sich die Koordinationsstörungen beobachten:

  • Bsp: die Stimme wird auf einmal sehr laut und/oder klingt sehr rau
  • Bsp: der Atem kann nicht richtig eingeteilt und koordiniert werden

Hier noch eine Übersicht, welche Gemeinsamkeiten es bei allen drei Störungsbildern gibt.

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Ein Gedanke zu „Abgrenzung Aphasie, Dysarthrie, Sprachapraxie

  1. Hi!
    Erst einmal, schöner uns ausführlicher Artikel.

    Ich beschäftige mich seit einiger Zeit auch mit diesem Thema, habe zum Thema Dysarthrie letztens einen interessanten Artikel gefunden: http://therapie-buettgen.de/dysarthrie/

    Werde mir auf jeden Fall deinen Blog mal abspeichern, da mir der Artikel sehr weitergeholfen hat.

    Nette Infos zum Thema!

    Danke.

    LG
    Dennis

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